Experten-Interview
Winfried Rütten
Gespräch mit Winfried Rütten, niedergelassener Hausarzt in Detmold zum Thema "hausärztliche Praxis in der Suchtmedizin". Dieser Fakultät gilt sein ausgewiesenes Engagement. Das Gespräch führte Wolfgang Schwalenstöcker.
Klicken Sie die untenstehenden Links an und Sie gelangen zu den entsprechenden Antworten des Interviews.
- Über welches Wissen sollte ein Hausarzt verfügen, um die Suchtgefährdung bei einem Patienten zu erkennen?

- Sehen Sie die Kompetenz dafür bei Hausärzten als im Durchschnitt als gegeben an?

- Hat der Hausarzt, die aktuelle Situation des Gesundheitswesen berücksichtigend, überhaupt die Zeit für ein ausführliches Gespräch, um zu erkennen, ob ein Patient suchtkrank ist?

- Verfügen die Hausärzte nach Ihrer Ansicht über ausreichendes Adress- und Informationsmaterial, um den Patienten zur weiteren Betreuung oder Behandlung weiterzuleiten?

- Würden Sie einem Patienten, wenn er akut bei Ihnen Hilfe sucht, Distraneurin zur Linderung von Entzugserscheinungen verschreiben? Wenn Nein, und das nehme ich an, warum nicht?

- Halten Sie die Vernetzung von Hausärzten und Hilfeeinrichtungen, wie SHG’s und Beratungsstellen für ausreichend?

- Was kann ein Hausarzt aus suchtmedizinischer Sicht überhaupt bewirken?

- Reichen die medizinischen Kenntnisse eines Hausarztes aus, um suchtmedizinisch in das Krankheitsbild eines Patienten einzugreifen. Oder bedarf es einer zusätzlichen Fachausbildung?

- Im Branchenbuch sind die Arztpraxen nach Fachbereichen aufgeteilt. Die Suchtmedizin fehlt. Warum?

- Kann es sein, dass sich Hausärzte nicht besonders gerne als Suchtmediziner bekennen, weil ihre Klientel das als anrüchig bewerten könnte? Ich habe eine solche Stigmatisierung erlebt.

Suchthilfe-Magazin
Über welches Wissen sollte ein Hausarzt verfügen, um die Suchtgefährdung bei einem Patienten zu erkennen?
Winfried Rütten
Der Hausarzt sollte seinen Patienten wirklich kennen, sein häusliches Umfeld und die dazugehörenden Lebensgewohnheiten. Hierzu gehört ein Hinterfragen der Lebensumstände, des beruflichen Umfelds und der Gesamtstruktur des Patienten in medizinischen Besonderheiten,der eigenen Lebensgestaltung.
Ferner sollte man einige Beobachtungen rund um die Körperlichkeit und die organischen Strukturen machen. D.H. Suchtgefährdung lässt sich selten in einem Erstkontakt feststellen. Es ist eine Gefährdung, die sich über Jahre entwickelt. Dann muß sich allerdings der Blick des Hauarztes in diese Richtung entwickeln können. Natürlich gehört auch die Offenheit des Patienten gegenüber seinem Hausarzt dazu, bezüglich einer zurückschauenden Betrachtung über einen längeren Zeitraum.
Suchthilfe-Magazin
Sehen Sie die Kompetenz dafür bei Hausärzten als im Durchschnitt als gegeben an?
Winfried Rütten
Ein Hausarzt , der seinen Patienten zu hinterfragt, müsste eigentlich Sucht- und Suchtgefährdungspotentiale erkennen . Aus dieser Perspektive sehe ich die Kompetenz von Hausärzten als gegeben.
Suchthilfe-Magazin
Hat der Hausarzt, die aktuelle Situation des Gesundheitswesen berücksichtigend, überhaupt die Zeit für ein ausführliches Gespräch, um zu erkennen, ob ein Patient suchtkrank ist?
Winfried Rütten
Als Hausarzt muss er sich diese Zeit nehmen, unabhängig von den finanziellen Zwängen, die das Gesundheitssystem uns aufbürdet. Die Zwänge sind eine Katastrophe, die oft behindernd für die Arbeit sind und uns die Möglichkeiten und die Zeiten rauben, die eigentlich gerade diese Patienten benötigen.
Suchthilfe-Magazin
Verfügen die Hausärzte nach Ihrer Ansicht über ausreichendes Adress- und Informationsmaterial, um den Patienten zur weiteren Betreuung oder Behandlung weiterzuleiten?
Winfried Rütten
Dieses Informationsmaterial steht zur Verfügung. Der Hausarzt kann sich eigentlich immer über passende Adressen informieren. Die Meisten, die vergleichbare Patienten häufiger betreuen, haben relevante Ansprechpartner griffbereit. Für die andererseits ist es leicht erfragbar.
Suchthilfe-Magazin
Würden Sie einem Patienten, wenn er akut bei Ihnen Hilfe sucht, Distraneurin (Distra) zur Linderung von Entzugserscheinungen verschreiben? Wenn Nein, und das nehme ich an, warum nicht.
Winfried Rütten
Nein, weil ich keine Möglichkeiten einer adäquaten Versorgung im Sinne eines Monitoring und Controlling habe. Eine Einstellung auf Distraneurin ist nach meiner Einschätzung nur unter stationären Bedingungen zulässig.
Suchthilfe-Magazin
Halten Sie die Vernetzung von Hausärzten und Hilfeeinrichtungen, wie SHG’s und Beratungsstellen für ausreichend?
Winfried Rütten
Leider noch nicht, Hier müsste deutlich mehr Vernetzung stattfinden, und es wäre wünschenswert, wenn das relativ zügig passieren könnte.
Suchthilfe-Magazin
Was kann ein Hausarzt aus suchtmedizinischer Sicht überhaupt bewirken?
Winfried Rütten
Er kann Patienten für die Problematik sensibilisieren. Viele der Patienten haben zwar die Erkrankung, aber nicht das Bewusstsein für das Problem ihrer Erkrankung. Hausärzte können hier ein Problembewusstsein schaffen, und damit Wege aufzeigen, die letztlich in einer Therapie münden. Die zweite Komponente ist, den Patienten abzuholen in seiner eigenen sozialen Struktur, und die soziale Struktur als notwendiges Bindemittel oder als Mitaspekt integrieren, sprich Angebote für Angehörige oder Sekundärbetroffene zu unterbreiten.
Suchthilfe-Magazin
Reichen die medizinischen Kenntnisse eines Hausarztes aus, um suchtmedizinisch in das Krankheitsbild eines Patienten einzugreifen. Oder bedarf es einer zusätzlichen Fachausbildung?
Winfried Rütten
Die Kenntnisse eine Hausarztes sollten dahingehend ausreichend sein, um zu erkennen und zu sehen, die Wege zu eröffnen und zu bahnen, damit eine entsprechende Therapie begonnen werden kann und der Patient für eine Therapie sensibilisiert wird. Oft sind die verschiedenen Süchte so speziell von ihren Fragestellungen und Problematiken her, dass zusätzliche Hilfsangebote benötigt werden, hier ist eine hausärztliche Versorgung überfordert und ergänzende Fähigkeiten werden erforderlich.
Suchthilfe-Magazin
Im Branchenbuch sind die Arztpraxen nach Fachbereichen aufgeteilt. Die Suchtmedizin fehlt. Warum?
Winfried Rütten
Wahrscheinlich weil die Sucht ein flächendeckendes Problem ist. Jeder, der sich mit hausärztlicher Versorgung befasst, bekommt suchtmedizinische Fragen gestellt. Dementsprechend müsste er zumindest den Einstieg in eine suchtmedizinische Versorgung beherrschen. Die Suchtmedizin ansich ist keine eigenständige Fachqualifikation innerhalb der Facharztbezeichnungen. Es gibt eine zusätzliche Fachqualifikation und Zusatzbezeichnung. Es gibt nur relativ wenige , die diese Qualifikation ausbauen und schwerpunktmäßig betreiben und sich nur um Sucht kümmern.
Suchthilfe-Magazin
Kann es sein, dass sich Hausärzte nicht besonders gerne als Suchtmediziner bekennen, weil ihre Klientel das als anrüchig bewerten könnte? Ich habe eine solche Stigmatisierung erlebt.
Winfried Rütten
Das kann ohne weiteres sein. Probleme mit allen Erkrankungen, die gesellschaftlich tabuisiert sind – und die Sucht wird von vielen als persönlicher Makel bewertet- werden systematisch totgeschwiegen und Betroffene werden gesellschaftlcih oft distanziert. Möglicherweise oder wahrscheinlich gibt es einige Kollegen, die deswegen darauf verzichten, Ihre Qualifikation öffentlich zu machen. Im Umkehrschluß kann es sein, das sich Suchtpatienten in einer solchen Praxis stigmatisiert fühlen. Die Tatsache, dass sie zu einem „Suchtbolzen-Doktor“ gehen, spricht doch ür sich.



Seite 1 von 1 1
Guten Tag.
Wir sind gerade in you tube auf Ihre Hompage gestoßen.
Wir die Gameworker arbeiten seit vier Jahren an dem problem der online-sucht"Spielsucht".
Unsere Kinder und Jugendliche versinken in der Illusion der PC Spiele.Erst jetzt ist ein Bericht im BT über uns erschienen weil die Gesellschaft endlich merkt,das daß ein wirkliches Problem wird.