Ursachen der Sucht

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Es ist eine Forderung der Natur, daß der Mensch mitunter betäubt werde, ohne zu schlafen; daher der Genuß im Tabakrauchen, Branntweintrinken, Opiaten.

Johann Wolfgang von Goethe

Ätiologien ( Herkunft/Ursachen) der Sucht

 

  • Ätiologien der Sucht Teil II

  • Sozialpsychologische Theorien
  • Soziologische Theorien
  • Biologisch-pyplogenetische Theorien
  • Mythologisch-existentielle Theorien
  • Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Substanzkonsum bei Jugendlichen

Zur Suchtentstehung gibt es viele Erklärungsmodelle und verschiedene Fachdisziplinen beschäftigen sich mit den Ursachen und Bedingungen von Sucht jeweils aus ihrer Perspektive. Da eine genaue fachliche Abgrenzung kaum möglich ist, gibt es deutliche Überschneidungen in den Erklärungsmodellen. Süchtiges Verhalten kann insgesamt als Ergebnis unterschiedlicher personaler und umweltlicher Faktoren gesehen werden. Die individuelle Disposition - mit für die Süchtigen jeweils ganz unterschiedlicher Bedeutung und Stellung des süchtigen Verhaltens im Lebenszusammenhang - macht Sucht zu einem Phänomen, das äußerst schwer zu erfassen ist.

Der meist auch als Stigmatisierung beschriebene Prozeß der Sucht läßt sich sowohl aus individueller als auch aus gesellschaftlicher Sicht als pathologische Form der Beziehungen eines Individuums zu seiner Umwelt begreifen. Viele Suchtkranke besitzen nur eingeschränkten Zugang zu ihrer Emotionalität. Vor allem die isolierte, nur schwer kommunizierbare sozio-emotionale Situation des Süchtigen erzeugt in Verbindung mit der Ablehnung süchtigen Verhaltens durch die Gesellschaft den Leidensdruck der Sucht.

Die individuelle Ausprägung einer Sucht verläuft meist schleichend, d.h. anfänglicher Konsum führte über Gewöhnung zur Abhängigkeit und kann in völligem Zerfall der Persönlichkeit enden.

Viele Untersuchungen, u.a. an eineiigen Zwillingen und Adoptivkindern, legen nahe, dass eine Disposition zu süchtigem Verhalten mit näher zu bestimmender Wahrscheinlichkeit vererbbar ist. Es wird aber auch darauf hingewiesen, daß jede Disposition auf entsprechende Umweltbedingungen angewiesen ist, um sich zu äußern.

Außerdem konnte bisher nicht der Nachweis spezieller "Suchtgene" erbracht werden - wahrscheinlicher ist, daß ein Zusammenspiel mehrerer Gene möglicherweise eine Disposition zur Sucht erzeugt.

 

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Genetische Ursachen

Psychoanalytische Theorien gehen davon aus, daß die Grundlage zu süchtigem Verhalten in der präödipalen Phase des Menschen gelegt wird. In dieser Phase ist das Kind völlig von der Mutter abhängig, seine Lebensbedürfnisse werden allein von der Mutter befriedigt. Ausgehend von der Geburt befindet sich der Säugling zunächst in einem Zustand totaler Symbiose mit der Mutter, die er als solche noch gar nicht wahrnimmt. Erst allmählich entwickelt er atavistische Vorstellungen seiner Umwelt, zunächst der mütterlichen Brust. Mit zunehmender Wahrnehmungsfähigkeit und steigenden Bedürfnissen entwickelt er differenziertere Vorstellungen seiner Umwelt und nimmt schließlich die Mutter, dann auch eigene Körperorgane als Objekte wahr, die sogenannten Objektrepräsentanzen bilden sich. In der weiteren Entwicklung verdichten sich diese schließlich zu einer Selbstrepräsentanz, d.h., das Kleinkind entwickelt eine Vorstellung von sich selbst.

Treten in dieser Entwicklung tiefgreifende Störungen in Form von Nahrungsentzug oder Versagung anderer elementarer Bedürfnisse auf, kommt es zum Trauma, das sich letztlich beinahe unwiderruflich durch das gesamte zukünftige Leben der betreffenden Person zieht und sich in gestörten Umweltbeziehungen manifestiert, z.B. stark gesteigerter Furchtsamkeit, Reizbarkeit, Mißtrauen, Aggressivität etc..

Die einzige Möglichkeit des Betreffenden, diese ihn angehenden Affekte unter Kontrolle zu bringen, liegt darin, sich mit Drogen oder neurotischem Verhalten zu betäuben bzw. in die Phantasie zu flüchten. Ein suchtkranker Mensch ist nach dieser Auffassung daher auf der oralen Stufe stehengeblieben, sodaß das Suchtmittel zum Ersatzobjekt für entgangene Zuwendung und Liebe wird. Der suchtgefährdete oder suchtkranke Mensch leidet an Ich-Schwäche und einer Störung des Über-Ich, und bedarf der Wirkung der Droge, um mit Gefühlen wie Angst, Feindseligkeit, Minderwertigkeit und Depression fertig zu werden.

 

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Psychoanalytische Theorien

Laut Lerntheorien wird süchtiges Verhalten durch bestimmte Schlüsselsituationen ausgelöst und durch Wiederholung erworben. Schlüsselsituationen sind dabei vor allem die Beobachtung des Verhaltens von Vorbildern und Modellen und deren Nachahmung, wie z.B. der rauchenden Eltern, drogenkonsumierenden Gleichaltrigen, Werbung etc. Wird aus dem nachahmenden Verhalten Genuß gezogen, spricht einiges dafür, daß es in ähnlichen Situationen wiederholt wird. Der Gebrauch kann allmählich zur Gewöhnung und schließlich zur Abhängigkeit führen. Sucht ist die Fixierung auf ein Verhaltensmuster und damit Ausdruck unbefriedigter elementarerer materieller und psychosozialer Lebensbedürfnisse. Der Einstieg in den Suchtmittelkonsum erfolgt daher auch häufig durch Imitation eines Vorbildes, und zwar oft ohne ein originäres Konsumverlangen. Die lustvollen Zustände wirken in der Folge konsumverstärkend und lösen neuerlichen Konsum aus, wobei die durch Drogen erzeugte angenehme Stimmung zusätzlich als Verstärker wirkt. Die Begleitumstände des Konsums - etwa soziale Kontakte oder die Umgebung - können ebenfalls verstärkend wirken oder sogar ins Zentrum des Konsumerlebnisses rücken.

Bedeutung kommt den Lerntheorien außer beim Vorbildlernen vor allem im Zusammenhang mit dem Erziehungsstil der Eltern zu, der als Ursache für süchtiges Verhalten der Heranwachsenden diskutiert wird, wenn Eltern die Bedürfnisse ihrer Kinder nach Liebe und Zuwendung mit materieller Zuwendung beantworten, z.B. Süßigkeiten, und damit eine Verschiebung in der Bedürfnisstruktur hervorrufen. Auch eine Gefährdung durch fehlerhafte Erziehungsstile wird in der Literatur genannt, wobei besonders rigide Haltungen, Überliberalität oder Laissez-faire, Overprotection oder Anomiedruck betrachtet werden. Des weiteren sind die massive Verführung zu Suchtmittelkonsum durch Leitbilder und die offene Werbung für Suchtmittel eine Basis für eine lerntheoretische Erklärungsmöglichkeiten der Suchtentstehung

Quelle: stangl's Arbeitsblätter

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