Abhängigkeit ist heiser, wagt nicht, laut zu reden.

William Shakespeare, Romeo und Julia

Wer süchtig ist, ist nicht mehr frei ...

Sucht bedeutet, abhängig zu sein – von Alkohol, Drogen, Spiel, Computer, Einkaufen, Essen. Wer abhängig ist, riskiert seine Gesundheit, die Persönlichkeit verändert sich. Langfristig wird man einsam und schließlich isoliert. Wer abhängig ist, steckt in einem Teufelskreis und braucht Hilfe, denn Abhängigkeit ist eine Krankheit. Sucht kann jeden treffen.

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Der Teufelskreis: Sucht ist ein Prozess

Schlafen konnte Marianne B. schon seit längerem nicht: die Sorge um den Arbeitsplatz, finanzielle Nöte und Probleme mit ihrem Ehemann ließen sie nicht zur Ruhe kommen. Ein rezeptfreies Schlafmittel brachte zunächst Erleichterung, doch Marianne erhöhte die Dosis nach einiger Zeit. Nach nur drei Monaten brauchte sie, um durchschlafen zu können, jeden Abend mehrere Tabletten; am nächsten Tag fühlte sie sich schlapp und müde, legte sich für zwei bis drei Stunden hin. Am Abend lag sie lange wach, nahm wieder Tabletten …der Teufelskreis hatte längst begonnen.

Der Teufelskreis einer Sucht sieht fast immer so aus: Nach dem Konsum von Drogen oder Alkohol oder einer Einkaufstour erlebt der Betroffene, dass sich eine unbefriedigende oder unerträgliche Situation bzw. Stimmung bessert - scheinbar. Doch die Wirkung lässt nach, "Ernüchterung" macht sich breit. Nun ist der Wunsch nach Besserung größer als vorher, das Verlangen nach der Droge steigt von Mal zu Mal.

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Suchtfakten

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Sucht ist eine Krankheit

"Sucht", so definiert der Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe, "kommt nicht von "suchen", sondern von "siech", also "krank". Sucht als ein schleichender Prozess ist nichts anderes als ein "Dahinsiechen". Niemand wird plötzlich süchtig, vielmehr entwickelt sich Abhängigkeit nach und nach. Meist fängt die Sucht harmlos an: ein zwei Bierchen jeden Abend, ein paar Zigaretten nur, nur noch diese eine Tablette. Zunächst werden die positiven Wirkungen einer Droge genutzt – Entspannung, locker sein, mal richtig durchschlafen, und für viele bleibt es tatsächlich harmlos. Bei manchen jedoch entstehen Gewohnheit und Missbrauch, bei einigen Sucht und Abhängigkeit. Fachleute sehen die Abhängigkeitskarriere so: erst Gebrauch, dann Missbrauch, schließlich Sucht.

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Wann ist man süchtig?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet mit Sucht das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Die WHO fordert, dass man suchtkranken Menschen weder eine Willens- noch eine Charakterschwäche unterstellt. Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann - eine oftmals chronische Krankheit, die aus dem Zusammenspiel biologischer und Umweltfaktoren verstanden werden kann. Sie erscheint meistens gleichzeitig und verknüpft mit anderen somatischen oder psychischen Störungen.

Laut WHO sind es diese vier Kriterien, die jemanden als süchtig einstufen:

  1. Es besteht ein unbezwingbares Verlangen, das Suchtmittel zu beschaffen und einzunehmen.
  2. Es werden immer höhere Dosierungen benötigt.
  3. Es kommt zu seelischer und körperlicher Abhängigkeit.
  4. Es entsteht Schaden für Andere und die Gesellschaft.

Anzeichen für eine Sucht können körperliche und psychische Störungen sein: Schwitzen und Übelkeit, Schlafstörungen, Interessensverlust, Stimmungsschwankungen, Unruhe und Angst oder Gleichgültigkeit. Abhängige verleugnen und verheimlichen ihre Sucht, andere beschönigen sie.

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Was macht süchtig?

Zunächst einmal wird unterschieden zwischen stoffgebundener und stoffungebundener Abhängigkeit. Alkohol, Drogen, Medikamente sind Substanzen, die abhängig machen. Stoffungebunden sind Süchte wie Arbeits-, Kauf-, Spiel- oder Sexsucht. Die meisten Abhängigkeiten beginnen im Kopf: Die Kennzeichen der psychischen Abhängigkeit sind das unwiderstehliche Verlangen nach der Einnahme eines Suchtmittels, der Kontrollverlust und die Zentrierung des Denkens und Handelns auf das Suchtmittel. Der Übergang von der psychischen zur physischen, d.h. körperlichen Abhängigkeit ist fließend. Oft wird sie erst spät bemerkt. Wird die regelmäßige Suchtmittelzufuhr plötzlich unterbrochen (z. B. durch einen Krankenhausaufenthalt), kommt es bei einer körperlichen Abhängigkeit zu typischen Entzugssymptomen wie Unruhe, Tremor, Übelkeit und Erbrechen.

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Sucht betrifft auch die Umgebung

Drogen beeinflussen nicht nur das Leben des Abhängigen, sondern ohne es zu wollen, sind nahestehende Personen wie Familienangehörige und engste Freunde davon betroffen. Angehörige sind im wahrsten Sinne des Wortes Mit-Leidende, denn sie müssen erfahren, wie der Suchtkranke sich langsam ruiniert. Wenn man von Sucht und Abhängigkeit spricht, so spielt der Begriff der Co-Abhängigkeit zwangsläufig eine wichtige Rolle. Besonders belastend für Familie und Freunde ist die Enttäuschung: meistens sind alle Versuche, den Abhängigen von seiner Sucht abzubringen, zum Scheitern verurteilt. Andere wiederum ignorieren die Abhängigkeit, helfen aus Scham, sie zu vertuschen und unterstützen gar den Patienten in seiner Sucht. Auch den Angehörigen kann dann - wie dem Süchtigen selbst - nur noch eine Beratung und Unterstützung von außen helfen.

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Was kann man bei Abhängigkeit tun?

Eine ernüchternde Zahl vorweg: Eine anhaltende Abstinenz erreichen nur ein Drittel der Betroffenen. Der erste Schritt ist der schwierigste: sich einzugestehen, dass man abhängig ist. Vier Schritte kennzeichnen eine Therapie:

  1. Motivation
  2. körperlicher Entzug
  3. Entwöhnung
  4. Nachbetreuung.

Der erste Weg kann über den Hausarzt zum Psychiater oder in eine Klinik führen. Wichtig in der Entwöhnungsphase ist die psychotherapeutische Betreuung: Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung sollen gestärkt werden, um "nein" sagen zu können. Diese Phase dauert Wochen bis Monate. Erst danach beginnt die Rehabilitation im gewohnten Umfeld. Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen sind in dieser Phase oft jahrelang wichtige Begleiter.

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Was zahlen die Krankenkassen und Rentenversicherer?

Die Krankenkassen oder Rentenversicherer übernehmen z.B. die Kosten bei Alkohol-, Medikamenten-, Drogen- oder einer Mehrfachabhängigkeit. Bei den nicht-stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen wie Glücksspiel- oder Arbeitssucht ist es schwieriger, eine angemessene Langzeitbehandlung finanziert zu bekommen. Der Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe erläutert weiter:

"Für Menschen mit Ess-Störungen sind die Krankenkassen zuständig, die Leistungsträger behandeln sie wie eine psychosomatische und nicht wie eine Suchterkrankung. Stationäre psychosomatische Behandlungen dauern allerdings meist nur wenige Wochen, was nicht immer ausreicht. Personen mit Ess-Störungen haben die Möglichkeit, eine ambulante Psychotherapie zu beantragen beziehungsweise an speziellen Angeboten in manchen Beratungsstellen teilzunehmen. Menschen, die von einer Glücksspielsucht betroffen sind, bekommen bei Bedarf von den Rentenversicherungsträgern eine Langzeitbehandlung in darauf spezialisierten Fachkliniken bezahlt, allerdings nur in Einzelfällen eine ambulante Maßnahme."

 Ganz entscheidend bei jeglicher Form der Abhängigkeit ist Hilfe für die Betroffenen, denn der "Selbstentzug" gelingt so gut wie nie.

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Quelle:

http://www.gesundheit.de/index.html

.Eine Seite, die psychische Befindlichkeiten als (Mit)ursache von Suchterkrankungen beschreibt.