Ohne Medikamente wäre die Menschheit erheblich jünger
Häufige Fragen zur Medikamentenabhängigkeit
- Kann jeder Mensch von Medikamenten abhängig, bzw. süchtig werden?

- Machen alle Medikamente abhängig?

- Von welchen Medikamenten kann man abhängig, bzw. süchtig werden?

- Warum nehmen Abhängige immer wieder ihr Suchtmittel ein, obwohl sie wissen, daß es ihnen schadet?

- Warum treten Alkohol-/und Medikamentenabhängigkeit so häufig zusammen auf

- Wer ist gefährdet, medikamentenabhängig zu werden?
- Wer ist medikamentenabhängig?

- Gibt es Verhaltensweisen, die auf Medikamentenabhängigkeit schließen lassen?

- Welche psychischen/sozialen Veränderungen treten durch Medikamentenabhängigkeit auf?

- Was kann ich tun, wenn ich selbst medikamentenabhängig bin?

- Woran können Angehörige noch eine Abhängigkeit von Medikamenten erkennen?

Kann jeder Mensch von Medikamenten abhängig, bzw. süchtig werden?
Von Medikamenten mit einem hohen Suchtpotenzial wird wahrscheinlich jeder, der sie über längere Zeit hinweg einnimmt (oder gar spritzt) abhängig. Vor allem trifft dies auf Medikamente zu, die körperlich abhängig machen. Wird das Medikament nicht eingenommen, kommt es zu Entzugserscheinungen, die so unangenehm sein können, daß sie den Konsumenten dazu zwingen, die entsprechende Substanz wieder einzunehmen. Nach der Einnahme verschwinden die Entzugserscheinungen wieder, bis die Substanzwirkung wieder nachläßt.
Oft treten im Entzug genau die Phänomene wieder auf, die man vorher mit der Substanz bekämpft hat:
Von den Medikamenten mit mittlerem bis geringen Suchtpotenzial wird nur ein Teil der regelmäßigen Benutzer abhängig, ähnlich wie beim Alkohol. Bei den Barbituraten und den Barbiturat-ähnlichen Schlafmitteln werden schätzungsweise 10 - 15% der regelmäßigen Benutzer abhängig. Die Zeit, die für die Entwicklung einer Abhängigkeit benötigt wird, ist von Medikament zu Medikament und auch von Mensch zu Mensch sehr verschieden.
In der Regel kommt es darauf an, mit welchem Ziel ein Medikament genommen wird. Wird ein Medikament zur Schmerzbekämpfung eingesetzt, dann kann es in der Regel ohne größere Probleme abgesetzt werden, wenn die Ursache des Schmerzes nachläßt (z.B. eine Wunde verheilt). Ist das Schmerzmittel zweckentfremdet worden, um z.B. bestimmte "High-Gefühle" zu erreichen, kann es natürlich nicht so leicht abgesetzt werden, wenn nicht der Wunsch nach dem "High-Sein" aufgearbeitet wird. Speziell wenn das Mittel eingesetzt wird, um psychische Probleme leichter erträglich zu machen oder sie zu verdrängen, dann kann das Mittel meist solange nicht abgesetzt werden, wie die psychischen Probleme weiterbestehen. Auf der anderen Seite nimmt die fortgesetzte Medikamenteneinnahme oft aber auch den Druck weg, an den Ursachen der psychischen Probleme etwas zu verändern
Machen alle Medikamente abhängig?
Nein, abhängig werden kann man nur von Medikamenten, die psychoaktiv sind, d.h. die eine bestimmte psychische Wirkung haben. Einige von ihnen verursachen auch eine körperliche Abhängigkeit. In der Regel geht es dabei meist um Schlaf-, Beruhigungs- oder Schmerzmittel. Es kann sich aber auch um Appetitzügler, einige Migränemittel handeln oder um Mittel, die der Narkosevorbereitung dienen.
Die große Mehrzahl der Medikamente macht weder körperlich noch psychisch abhängig. Wenn ein Medikamente die Fähigkeit hat, seine Benutzer abhängig zu machen, spricht man von einem Medikament mit Suchtpotenzial oder von einem Suchtmittel. Dabei gibt es Medikamente mit einem psychischen Suchtpotential und/oder einem körperlichen Suchtpotenzial.
Warum nehmen Abhängige immer wieder ihr Suchtmittel ein, obwohl sie wissen, daß es ihnen schadet?
Zuerst wissen die Betreffenden ja gar nicht, daß das Mittel ihnen schadet. In der Regel dauert es einige Zeit, bis Medikamentenabhängige merken, daß sie abhängig sind. D.h. daß sie gar nicht mehr so leicht aufhören können, wie sie sich das gedacht haben, bzw. daß sie bereits wesentlich mehr nehmen als sie eigentlich sollten. Etwaige Gewissensbisse, daß sie bereits wesentlich mehr konsumieren, als ärztlich verordnet, werden häufig unterdrückt, verleugnet oder mit eben diesen Medikamenten betäubt. Es dauert relativ lange, bis Medikamentenabhängige bemerken, daß bereits Schäden durch das Suchtmittel auftreten. Dieser Prozeß dauert wesentlich länger als bei Drogenabhängigen, da man sich lange damit beruhigt, ein ärztlich verordnetes Medikament zu benützen.
Jedes Kind weiß heute, wie gefährlich Heroin ist. Dagegen wissen heute oft nicht einmal Ärzte, welche Gefahren eine Medikamentenabhängigkeit, z.B. von Diazepam (Valium) bietet. Diese Gefahren treten keineswegs nur durch mißbräuchlichen Konsum auf, sondern können bereits bei ärztlich verordneten Dosen (z.B. 10mg Valium/Tag) in Erscheinung treten (low dose dependency). Nach einer Untersuchung der Nervenklinik der Universität München zu dieser "low dose dependency" kam es bereits bei der oben genannten regelmäßigen Dosis zu Entzugserscheinungen, die allerdings sehr verzögert auftraten und die letzten Endes genau die Symptome hervorriefen, die ursprünglich damit bekämpft wurden. Für den Patienten sind solche Phänomene in der Regel nicht durchschaubar. Das einzige was er bemerkt ist, daß wieder dieselben Symptome auftreten - wie früher auch - und die Reaktion ist, wie üblich die Fortsetzung der Einnahme, weil man erfährt, daß damit die Symptome beseitigt werden können.
Aus diesem Grunde sollten z.B. Tranquilizer, wie Diazepam, nur in akuten Krisen und nicht für länger als sechs Wochen verschrieben werden. Meist sind es aber die Patienten, die dann auf eine Fortsetzung der Verschreibung drängen und die, wenn sie "ihr" Medikament nicht erhalten, dann einfach den Arzt wechseln. Dadurch entsteht auf den Arzt nicht nur ein psychischer, sondern auch ein wirtschaftlicher Druck.
Selbst wenn Abhängige wissen, daß "ihr" Mittel ihnen schadet, wird es weiter genommen, weil es dem Betreffenden gefühlsmäßig "gut-tut". Etwaige körperliche oder gefühlsmäßige Konsequenzen werden auf andere Ursachen geschoben.
Daß man selbst abhängig werden könnte, wird lange Zeit verleugnet: "Es mag ja sein, daß andere an ihrer Sucht sterben, bei mir wird es aber schon nicht so schlimm sein. Ich bin ja stabil, ich kann damit umgehen."
Das Risiko wird oft sogar bewußt in Kauf genommen, um die angenehmen Wirkungen des Suchtmittels genießen zu können: "Ich genieße das Leben lieber jetzt, auch wenn es etwas kürzer ist."
Der Zeitpunkt des Aufhörens wir immer weiter hinausgeschoben: "Diese Schachtel Tabletten nehme ich noch, dann höre ich auf." (Was dann in den seltensten Fällen geschieht).
Manche Abhängige glauben, die eingenommene 'Tagesmenge reduzieren und schließlich dann ganz aufhören zu können, wenn sie erst richtig wollten. Diese Illusion haben Medikamentenabhängige meist in den ersten Jahren ihrer Suchtkrankheit, aber auch am Anfang eines Rückfalls: "Es ist ja nur noch dieses eine Mal". Später werden sie dann pessimistischer: "Das schaffe ich ja doch nicht". In diesem Stadium sind Medikamentenabhängige, wie auch Alkoholiker extrem selbstmordgefährdet.
Informationen, die zum Nachdenken über die Abhängigkeit führen könnten, werden gemieden. So gehen manche Abhängige erst gar nicht mehr zu dem Arzt, der sie über ihre Abhängigkeit aufgeklärt hat. Lieber wechseln sie zu einem Arzt, der nicht lange nachfragt.
Viele wechseln auch einfach das Produkt, bzw. den Produktnahmen, bleiben aber bei derselben Substanzklasse (z.B. Tranquilizer) und glauben so, einer Abhängigkeit entrinnen zu können. Dadurch kann das ganze Spiel sehr lange fortgesetzt werden.
Wer ist gefährdet, medikamentenabhängig zu werden?
Bis heute gibt es keine zuverlässige Methode, um vorherzusagen, wer medikamentenabhängig wird und wer nicht. (genau so wenig ist das übrigens bei Alkohol und Drogen möglich. Wir wissen aber, daß manche Menschen sehr viel leichter als andere von Schlafmitteln und von Tranquilizern abhängig werden:
Dies gilt vor allem für Menschen, die bereits eine andere Abhängigkeit (z.B. Alkoholabhängigkeit) entwickelt haben. Ähnlich betroffen sind Menschen, die Alkohol- oder Medikamentenabhängige in der Familie haben, sowie für Menschen mit bestimmten seelischen Störungen, wie z.B. krankhafte Ängste (Angstneurosen, Phobien, Herzneurosen) oder ausgeprägte Sozialängste und für Störungen des Selbstbewußtseins und Selbstwertgefühls.
Wenn sich Menschen nach der Einnahme psychoaktiver Mittel frei und erleichtert fühlen und vielleicht auch dadurch übermäßig lustig werden, dann ist die Gefahr gegeben, daß der Betreffende versucht, sich diese Gefühle über erneuten Konsum wieder zu verschaffen und erst einmal sich an die Substanz zu gewöhnt. Macht die Substanz körperlich abhängig oder versäumt es der Betreffende sein Selbstbewußtsein aufzubauen und verläßt sich eher auf die betäubende, enthemmende oder aktivierende Wirkung einer Substanz, dann ist der Weg zu einer Abhängigkeit bzw. Sucht nicht weit.
Wer schon einmal von einer Substanz abhängig war, ist stärker als andere in Gefahr, wieder auf dieselben alten Verhaltensweisen zur (scheinbaren) Problemlösung zurückzugreifen.
Wer ist medikamentenabhängig?
Jemand muß als medikamentenabhängig angesehen werden, wenn er ständig oder gelegentlich Medikamente mit psychischer Wirkung einnimmt, ohne daß ein medizinischer Grund dafür besteht und wer dadurch Schaden erleidet. Die Schäden können körperlicher Natur sein (z.B. Knochenbrüche durch Stürze), seelisch (z.B. Charakterveränderungen) oder sozial (z.B. Verlust des Arbeitsplatzes) sein.
Zum Beginn einer Abhängigkeit liegen häufig noch keine oder nur geringe Schäden (z.B. ein wenig auffälliger Interessensverlust) vor. Immer aber haben die Betroffenen Schwierigkeiten mit dem Aufhören, weil die Beseitigung von Symptomen relativ schnell und zuverlässig geschieht. Im Entzug treten dann oft genau die Symptome auf, die man vorher mit der Medikamenteneinnahme bekämpft hat. Dieses veranlasst die Betroffenen, die Medikamente weiter einzunehmen.
Es wird zwischen der psychischen (seelischen) Abhängigkeit unterschieden, die praktisch in jedem Fall vorliegt und zwischen der physischen (körperlichen) Abhängigkeit, die nicht bei allen Substanzen auftritt. Bei Barbituraten kann diese häufig so schwer werden, daß sie das Krankheitsbild beherrscht.
Bei der seelischen Abhängigkeit sind mehrere Phänomene unterscheidbar:
Die Unfähigkeit zum Aufhören (Abstinenzunfähigkeit) und der Verlust der Kontrolle über die Einnahme (Kontrollverlust). Beide hängen damit zusammen, daß die Regulierung psychischer Schwierigkeiten über die Medikamenteneinnahme erfolgt und der Betreffende glaubt, nur noch über die Einnahme von Medikamenten seine Schwierigkeiten bewältigen zu können. Läßt die psychische Wirkung durch Gewöhnung an das Medikament bzw. Droge nach, wird eine Dosissteigerung versucht, mit dem Effekt, daß die Kontrolle über den Konsum langsam verloren geht. Während Medikamentenabhängige anfangs z.B. versuchen, ihren Medikamentenkonsum exakt zu planen, schütten sie in späteren Stadien oft einfach wahllos Medikamente in sich hinein, in der Hoffnung irgendeine Wirkung zu erzielen und ihre psychischen Schwierigkeiten oder aber auch ihre Entzugserscheinungen zu beseitigen.
Bei der körperlichen Abhängigkeit besteht die Tendenz zur Einnahme immer größerer Dosen (Toleranzentwicklung). Sie hängt damit zusammen, daß sich der Körper auf eine gewisse Dosis einstellt und quasi wieder einen psychischen Normalzustand herstellt. D.h. gewisse betäubende oder euphorisierende Effekte verschwinden. Der Betroffene versucht dies mit einer Dosissteigerung zu kompensieren, was ihm nur kurzfristig gelingt, da sich der Körper auch auf die erhöhte Dosis wiederum einstellt. Das ganze geht solange, bis eine gewisse Obergrenze mit körperlichen Schäden, Leberschäden etc. erreicht ist.
Wird der entsprechende Stoff nicht zugeführt, treten körperliche und psychische Entzugserscheinungen auf, die meist durch die Einnahme des entsprechenden Mittels gelindert oder aufgehoben werden können.
Gibt es Verhaltensweisen, die auf Medikamentenabhängigkeit schließen lassen?
Die Vermutung, daß jemand medikamentenabhängig ist liegt nahe, wenn:
- der/die Betreffende die Einnahme von Medikamenten mit Suchtpotenzial nicht aus eigener Kraft aufgeben kann
- eine bestimmte Menge eines Medikamentes eingenommen oder gespritzt werden muß, um sich wohl zu fühlen.
- bei bestimmten seelischen, körperlichen oder sozialen Belastungen das Bedürfnis nach dem Medikament entsteht, wie bei einem Alkoholiker das Verlangen nach Alkohol.
- der/die Betreffende durch die Einnahme deutliche Charakteränderungen erfährt. Z.B. wird der/die Betreffende deutlich ruhiger, gedämpfter, gelegentlich aber auch gereizter, unberechenbarer, wenn die Dosis beginnt, ihre Wirkung zu verlieren. Für Kinder und Partner ist die Situation oft katastrophal, weil Bestätigung oder Ablehnung ein und desselben Verhaltens nicht mehr von dem Verhalten, sondern vom Alkohol- oder Medikamentenpegel des Betroffenen abhängig sind.
- In der Regel merken Personen, die langsam abhängig werden, ihre Veränderungen, reagieren mit Schuldgefühlen und versuchen diese zu kompensieren. Manchmal reagieren sie überfreundlich, manchmal einsichtig, häufig aber auch aggressiv und abweisend.
- derjenige durch die Wirkung "seines" Medikamentes sich selbst und/oder seine Umgebung schädigt oder seine Beziehungen zu seinen Mitmenschen stört, dieses weiß und trotzdem nicht aufhört.
- häufig mehr eingenommen wird, als vom Arzt verordnet worden ist.
- jemand "sein" Medikament gleichzeitig von mehreren Ärzten verschreiben läßt.
- der/die Betreffende Rezepte fälscht oder Angehörige benutzt um Nachschub zu bekommen.
- Ärzte oder Apotheker belogen werden, um "sein" Medikamente zu bekommen.
- so viele Beruhigungs-, Schlafmittel oder Scherzmittel eingenommen werden, daß der/die Betreffende lallt, schwankt oder stürzt.
- Beruhigungs-, Schmerz- oder Schlafmittel auf einmal zur Anregung benutzt werden, weil die die ursprünglich beruhigende Wirkung auf einmal in eine anregende umgeschlagen ist. Bei der Gewöhnung an Beruhigungs- und Schlafmittel, treten häufig paradoxe Effekte auf. Die ursprüngliche Wirkung geht verloren, werden auf Schlaf- und Beruhigungsmittel auf einmal wacher und aktiver. Schmerzmittel wirken auf einmal euphorisierend.
- So viele Beruhigungs-, Schlaf- oder Schmerzmittel eingenommen werden, daß es zu "Filmrissen" oder "Blackouts" kommt, sinnlose Telefongespräche geführt werden und der/die Betreffende oft völlig enthemmt ist.
- jemand aggressiv wird, wenn er/sie sein/ihr Medikament nicht bekommt.
- ständig daran gedacht wird, wie der Nachschub sichergestellt werden kann.
- jemand zittert, Stimmen hört, optische Halluzinationen hat, durcheinander ist, epileptische Anfälle bekommt, sobald er/sie für einige Tage das Schlaf-, Schmerz- oder Beruhigungsmittel nicht bekommt.
- jemand bemerkt, daß ihm "sein" Medikament wichtiger ist als alles andere auf der Welt.
- man sich selbst in bezug auf seinen Medikamentenkonsum belügt.
- mehrere Schlaf-, Schmerz- oder Beruhigungsmittel nebeneinanderher genommen werden.
- nach Einnahme einer kleinen Dosis "seines" Medikamentes das unbezähmbare Verlangen gespürt wird, mehr zu nehmen.
- versucht wird, andere über den eigenen Medikamentenkonsum zu belügen, das wahre Ausmaß des Konsums zu verheimlichen (Verstecken von Medikamentenschachteln, Erbetteln von Medikamenten bei Mitpatienten)
- jemand früher alkoholabhängig war und jetzt regelmäßig Schlaf-, Schmerz- oder Beruhigungsmittel einnimmt.
- der Arzt die Weiterverschreibung des Medikamentes verweigert hat und daraufhin der Arzt gewechselt worden ist.
- Schmerzmittel eingenommen oder gespritzt werden, obwohl keine Schmerzen vorhanden sind.
- Über längere Zeit Appetitzügler eingenommen werden, weil man sich dann leistungsfähiger fühlt, weniger Schlafbedürfnis hat oder um "high" zu sein.
- nach der Einnahme von Appetitzüglern Halluzinationen oder Verfolgungswahn auftreten.
Wenn zwei dieser Feststellungen zutreffen, sollte man den Verdacht auf eine Medikamentenabhängigkeit haben. Wenn drei oder mehr der obigen Feststellungen richtig sind, liegt bereits eine Medikamentenabhängigkeit vor.
Woran können Angehörige noch eine Abhängigkeit von Medikamenten erkennen?
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Häufig verringern Medikamentenabhängige ihren Kontakt zu anderen Menschen und isolieren sich. Sie ziehen sich dann in ihre Wohnung zurück und haben nur noch wenige Außenkontakte.
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Medikamentenabhängige verhalten sich oft recht "kindlich", wiederholen häufig Sätze, haben eine ausgesprochen schwankende Gefühlslage. Abweisendes und anklammerndes Verhalten wechselt sich oft schnell ab.
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Oft ist das Bett der beliebteste Aufenthaltsort. Abhängige schlafen oft auch tagsüber und "kommen nicht mehr so richtig hoch". Auffällig sind auch verdunkelte und überheizte Räume. Obwohl Medikamentenabhängige oft viele Stunden am Tag schlafen, klagen sie trotzdem ständig über Schlaflosigkeit
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Medikamentenabhängige sind im allgemeinen eher überordentlich und "pingelig". In ihrem Verhalten sind sie eher überangepaßt. Erst in den Endstadien, wenn die psychische und organische Schädigung schon weit fortgeschritten ist, treten Verwahrlosungserscheinungen auf.
In diesen letzteren Phasen wirken Medikamentenabhängige apathisch, "ausdruckslos" und irgendwie "abwesend". Ein Gesprächskontakt ist manchmal nur mühsam aufrechtzuerhalten. Der Betroffene vergißt häufig, was gerade gesagt worden ist und wiederholt in einem Fort Gesagtes. Oft rücken auch ganz belanglose Probleme in den Vordergrund.
Medikamentenabhängige sind meist schwieriger zu einer Therapie zu bewegen als Alkoholabhängige. Medikamentenabhängige betrachten ihre Lebenslage eher mit Apathie, krankhafter Passivität und stehen dem Leben oft ganz allgemein mit einem Gefühl der Sinnlosigkeit gegenüber. So ziehen sich viele Abhängige von dieser Welt zurück - ins Bett - oder aber auch in den freiwilligen Tod. Oft wird eine Medikamentenabhängigkeit auch als endogene oder neurotische Depression verkannt.


Dr. Gerhard Kocher

