Eine übergroße Gänseleber, sie mag noch so gut schmecken, setzt doch immer eine kranke Gans voraus.
Clemens Brentano, (1778 - 1842), deutscher Lyriker und Erzähler
Ernährungsformen
In erster Linie ist das, was der Mensch isst, wie er es zubereitet (Kochkunst) und zu sich nimmt (Esskultur), sowie das, was er nicht isst (Nahrungstabu), von seinem Lebensraum und seiner Kultur abhängig, und damit starken regionalen Unterschieden unterworfen. Trotz der teils extremen Unterschiede der traditionellen Regionalküchen wird der Bedarf an Nährstoffen in der Regel gedeckt. Eine einzige "richtige" Ernährungsform kann es folglich nicht geben.
Da sich aber vor allem in den Industrieländern die Ernährungsweise von den traditionellen Formen wegentwickelt und sich durch die Zunahme sitzender Tätigkeiten und abnehmender körperlicher Betätigung der Lebensstil und damit der Energie- und Nährstoffbedarf insgesamt verändert hat, gibt es heutzutage bei vielen Menschen ein Missverhältnis zwischen Nährstoffbedarf und Nährstoffzufuhr. Deshalb wird die Frage nach der "richtigen" Ernährung wegen der Bedeutung für die Gesundheit in Abhängigkeit von der Lebensweise durch die Diätetik
wissenschaftlich erforscht.
Insbesondere die Zunahme an sogenannten Zivilisationskrankheiten wird der modernen Fehlernährung
zugeschrieben. Natürlich tragen auch andere Veränderungen, die die Zivilisation mit sich gebracht hat, zur Entstehung der Zivilisationskrankheiten bei. Der bekannte Beitrag der modernen Fehlernährung zur Entstehung der Zivilisationskrankheiten hat dazu geführt, dass es mittlerweile eine unüberschaubare Vielzahl von Ansichten, Theorien und Lehren über die "richtige" Ernährung gibt. Beispiele sind die Theorien von der Vollwerternährung,
die Rohkost-Lehren,
die Ernährung nach den 5 Elementen
aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, die Ayurveda-Lehre, die Makrobiotik
(Ernährungswissenschaft aus der Perspektive von Yin und Yang), die Trennkost-L
Lehre und die Steinzeiternährung. Die Antworten auf die Frage nach einer "richtigen" Ernährung sind oft weltanschaulich beeinflusst.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung
hat Regeln zur Zusammenstellung formuliert, die mit dem Begriff Vollwertige Ernährung umschrieben werden.
Zunehmend verbreitet auch die Ernährungs-, Pharma- und Nahrungsergänzungsmittel-Industrie Broschüren und Internet-Informationen zu Ernährungsfragen.
Ernährung in der Medizin
Mit den Besonderheiten der Ernährung bei Krankheit beschäftigt sich die Ernährungsmedizin.
Bei bestimmten Krankheiten werden zusätzlich zur medikamentösen Therapie Diäten
verordnet, um den Krankheitsverlauf zu begünstigen. In der Medizin unterscheidet man prinzipiell:
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Orale Ernährung: Der Patient kann sich auf natürlichem Wege, also über den Mund (oral) ernähren. Evtl. muss die Kost aber verändert, z. B. passiert werden, um ihm das Essen zu erleichtern. Reicht auch dies nicht aus, kommt vollbilanzierte Trinknahrung
zum Einsatz, sog. "Astronautenkost",
die den gesamten Nährstoffbedarf deckt, sofern der Patient eine ausreichende Menge davon trinkt. Bei schwerer Abwehrschwäche,
z. B. nach Chemotherapie
darf nur keimarme Nahrung verzehrt werden, um Infektionen mit Bakterien und Pilzen
vorzubeugen. -
Künstliche Ernährung: Der Patient kann nicht mehr auf natürlichem Wege essen. Er muss deshalb künstlich ernährt werden. Dazu gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten:
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Enterale Ernährung: Statt der normalen Nahrung wird eine für die Art der Krankheit geeignete Sondenkost über eine Magen-, Dünndarm- oder PEG-Sonde in den Verdauungstrakt eingebracht. Wann immer möglich wird dieser Zugangsweg bevorzugt, da er der natürlichen Nahrungsaufnahme am nächsten kommt.
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Parenterale Ernährung: Die in Lösung oder Emulsion befindlichen Nahrungsbestandteile werden als Infusion über einen intravenösen Zugangsweg direkt ins Blut verabreicht. Die Industrie bietet hierzu zahlreiche Produkte an, bei denen die Nahrungskomponenten entweder selbst zusammengestellt werden können (2- oder 3-Flaschen-System) oder in einer festen Kombination (All-in-one-Lösungen, 3-Kammer-Beutel) vorliegen.
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Enterale und parenterale Ernährung können auch kombiniert werden. Wird als ausschließliche Ernährungsform eine bedarfsdeckende parenterale Ernährung eingesetzt, so spricht man von totaler parenteraler Ernährung.
Probleme bei der Ernährung
Fehl- und Mangelernährung
Entspricht die Menge oder die Zusammenstellung einer Ernährung nicht den Anforderungen des menschlichen Organismus, so spricht man von Fehl- oder Mangelernährung.
Die Begriffe werden oft uneinheitlich und manchmal synonym verwendet. Meist bedeutet aber Fehlernährung, dass ein oder mehrere Nahrungsbestandteile in falscher Menge verzehrt werden, z. B. zu fettreiche oder zu vitaminarme Kost, während man unter Mangelernährung versteht, dass der Energiebedarf des Organismus nicht gedeckt wird. Kombinationen beider Störungen kommen vor.
Ursachen von Fehl- und Mangelernährung können Hungersnöte durch Ernteausfälle, Krieg oder Katastrophen und Krankheiten (z. B. Essstörungen, Krebs, AIDS, Chronische Bronchitis,
Herzinsuffizienz) sein, sowie in Industrieländern vor allem eine unausgewogene Ernährung durch mangelndes Wissen über eine gesunde Ernährung und ungünstige Essgewohnheiten. Hier spielen insbesondere das große Angebot an hochenergetischer industrieller Fertignahrung
bei gleichzeitigem Rückgang der körperlichen Aktivität und der Wegfall des Essens als soziales, meist familiengebundenes Ritual eine Rolle.
Ernährungsbedingte (alimentäre) Krankheiten
Fehl- und Mangelernährung können ihrerseits Krankheiten verursachen oder begünstigen, z. B. Skorbut bei Vitamin-C-Mangel, Berieri bei Vitamin-B1-
Mangel oder Diabetes mellitus bei starkem Übergewicht/Adipositas. Für diese und andere Krankheiten, vor allem für die Mangelerkrankungen, ist der Zusammenhang mit Fehl- oder Mangelernährung wissenschaftlich bewiesen.
Es gibt jedoch auch eine große Zahl an Krankheiten, insbesondere die sog. Zivilisationskrankheiten, für die diskutiert wird, ob sie durch die Ernährungsweise zumindest mitverursacht werden. Dazu gehört unter anderen der Schlaganfall. Einen wissenschaftlichen Nachweis dieser Annahme gibt es aber nur für die wenigsten Erkrankungen. Generell sind Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheit, methodisch bedingt, schwierig nachzuweisen. Für die meisten Zivilisationskrankheiten gibt es höchstwahrscheinlich nicht nur eine einzige Ursache, sondern eine Kombination von Ursachen, darunter genetische Anfälligkeit, körperliche Aktivität, Ernährung und Psyche sowie Umweltgifte.
Quelle:
Wikipedia



